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Eingebundene Biberschwanzkehlen

Zeitlos schön und dennoch selten

Ein formvollendetes Dach krönt diese Villa in Stuttgart, vor allem auch dank der eingebundenen Biberschwanzkehlen.

Gedeckt mit „KLASSIK“-Bibern von CREATON und vollkeramisch perfektioniert mit dem passenden Zubehör sowie durch die eingebundenen Biberschwanzkehlen – diese hier ist zwei-ziegel-breit, in Viererteilung und in einer Doppeldeckung ausgeführt.

Technisch und ästhetisch vollkommen: Die vollkeramische Ausführung als eingebundene Biberschwanzkehle garantiert höchste Regeneintrags- und Windsogsicherheit.

Die Dachdecker lösten auf diesem Dach eines Einfamilienhauses in Neu-Horno eine anspruchsvolle Aufgabe: die ungleichhüftig eingebundene Biberschwanzkehle in der Kronendeckung.

Eingebundene Biberschwanzkehle an der Dachgaube eines Einfamilienhauses in Neu-Horno. Die „KERA-BIBER“ von CREATON sind äußerst robust, da sie bei Temperaturen über 1.100 C ohne zusätzliche Brennhilfsmittel gesintert werden und so ein besonders dichtes Gefüge erreichen.

Sie haben eine lange Tradition, sie sind zeitlos, werthaltig, zweifellos schön und trotzen Wind und Wetter – die eingebundenen Biberschwanzkehlen. Und doch ist diese Art der Dacheindeckung selten geworden. Gute Gründe gibt es hierfür jedoch nicht. Für eine Widerbelebung dieser Technik spricht hingegen vieles.


Dass eingebundene Biberschwanzkehlen eher eine Seltenheit in der deutschen Dachlandschaft geworden sind, liegt zum einen daran, dass die handwerkliche Herausforderung von den Bauherren heutzutage oft nicht mehr gebührend honoriert wird. Schließlich kostet diese Art der kunstvoll überlappenden Deckung mehr Geld als eine herkömmliche Eindeckung, auch wenn sie qualitativ deutlich hochwertiger ist. Viele Bauherren entscheiden sich häufig aus reinen Kostengesichtspunkten für eine günstigere Variante. Ein weiterer ausschlaggebender Punkt ist die Tatsache, dass viele Gesellen während ihrer Ausbildung je nach Region erst gar nicht mit dem Thema in Berührung kommen. Erst in der Meisterschule steht diese anspruchsvolle Technik auf dem Lehrplan. Und sie wird immer noch als zeitaufwändig und kompliziert angesehen. So ist die Verlegetechnik aus der Mode gekommen und nur im Süden und Osten Deutschlands noch relativ präsent – wie zum Beispiel im Berliner Raum.


Geeignet für Doppel- und Kronendeckung

Eigentlich ist es schade, dass diese Form der Kehlausbildung vernachlässigt wird, zumal das Prinzip der Eindeckung relativ einfach ist. Eingebundene Biberschwanzkehlen eignen sich sowohl zur Doppel- als auch zur Kronendeckung. Generell unterscheidet man zwischen gleichhüftigen und ungleichhüftigen Kehlen. Wenn sich zwei Dachflächen mit unterschiedlichen Neigungen verschneiden, spricht man von ungleichhüftigen Kehlen. Die einfachere Variante ist die gleichhüftige; hier ist die Neigung der sich verschneidenden Dachflächen identisch. Wenn bei der gleichhüftigen Kehle auch noch die Traglatten der beiden Dachflächen auf gleicher Höhe liegen, ist die Verlegung der eingebundenen Biberschwanzkehle relativ unkompliziert, denn die Abfolge der Arbeitsschritte – in Symmetrie zur Kehlmittellinie – ist immer die gleiche. Grundsätzlich sollte folgender Leitfaden beachtet werden:

1. Die Kehlneigung darf 26° nicht unterschreiten. Sie fällt geringer aus als die Neigung der Dachflächen. Dem müssen die Ziegelreihen in der Kehle durch eine engere Deckung bzw. eine größere Überdeckung gerecht werden. Grundsätzlich muss der vierte Dachziegel in der Kehle den ersten noch um mindestens einen Zentimeter überlappen. Ein Rechenbeispiel: Bei 38 Zentimeter langen Biberschwanzziegeln liegt die maximale Lattweite in der Kehle bei 12,3 Zentimetern, nach der Formel: 38 Zentimeter abzüglich einen Zentimeter Überdeckung ergibt bei der Eindeckung der drei Reihen je 12,3 Zentimeter. Bei kürzeren Formaten verringert sich das Maß entsprechend. Durch diese engere Deckung und dem geringeren Abstand zwischen den Biberschwänzen werden in der Kehle zusätzliche Ziegelreihen notwendig.

2. Die zusätzlichen Ziegelreihen werden so eingefügt, dass sich die Ziegelreihen der Kehle mit den Ziegelreihen der Dachflächen durch das Einschneiden von Biberschwanzziegeln (so genannten Ausspitzern) zusammenfügen. Zusätzliche Reihen mit Formziegeln unterlaufen die Gebinde der Dachflächen. Diese speziellen Formziegel nennt man Unterläufer, dabei handelt es sich um Biberschwanzziegel, die sich zu einer Seite hin verjüngen und so ohne Aufsperren der Dachdeckung unter andere Ziegelreihen geschoben werden können. Auf eine Ziegelreihe der Hauptdachfläche kommen zwei Ziegelreihen der Kehle. Dabei werden die Gebinde der Kehle im Wechsel mit denen der Dachfläche eingebunden, die folgenden Kehlgebinde unterlaufen dann die Dachflächengebinde.

3. Besonders aufpassen sollte man am Anfang der Kehle: Bevor der zuvor beschriebene Wechsel der Ziegelreihen in die Wege geleitet wird, werden am Kehlanfang je nach Ausführung drei spezielle Biber gesetzt. Deren Aufgabe ist es, Wasser, das über die Kehle läuft, sicher in die Rinne zu leiten. Außerdem dienen sie als Fundament, um den folgenden Kehlgebinden die nötige Aufbauhöhe zu verleihen, damit diese nicht nach unten abfallen. Der erste Biber – der so genannte Wasserbiber – liegt mittig in der Kehle und kann bei Bedarf zum Kopf hin um ein bis zwei Zentimeter verjüngt werden. Auf den Wasserbiber folgen zwei Kehlbiber, die als Basis für die Kehlgebinde dienen.

4. Die Kehlmittellinie dient zur Orientierung beim Verlegen der Kehlbiber. Eingebundene Kehlgebinde und Dachflächengebinde treffen stets an den Segmentlinien aufeinander. Beide Ziegelreihen kommen also stets im gleichen Abstand aufeinander zu – so entsteht eine saubere Kehle.

5. Am oberen Kehlabschluss – wo zum Beispiel der First der Gaupe ins Hauptdach läuft – sorgen die Kehlauslaufschichten für einen harmonischen Verlauf der Kehlgebinde bis zum First. Diese Schichten sind zum Hauptdach hin wie zuvor im Wechsel von eingebundener und unterlaufender Schicht in die Dachdeckung eingebracht. Zum First hin werden die letzten Biber dieser Schichten parallel zum First abgeschnitten, so dass dort die Firstziegel die Kehlschichten überlaufen.


In fünf Schritten zur eingebundenen Biberschwanzkehle – klingt einfach? Zugegebenermaßen erfordert diese Form der Eindeckung Fachwissen, Erfahrung und Geschick. Zudem sind weitere Varianten der Vorgehensweise möglich und machbar. Trotzdem ist dies kein Geheimwissen, das wenigen Zimmerern und Dachdeckern vorbehalten ist. CREATON, europaweit führend im Segment Biberschwanzziegel, berät seine Kunden, indem er Arbeitsunterlagen und Fotografien zur Verfügung stellt. Außerdem sind wir in der Lage, Spezialisten zu vermitteln, die eine solche Eindeckung begleiten und unterstützen.


Werbung für den Fachmann

Wer einmal eine Eindeckung mit eingebundenen Biberschwanzziegeln näher betrachtet hat, kann vom Resultat nur überzeugt sein. Und der Handwerker, der diese Technik beherrscht, wirbt für sich selbst, wenn er seinem Kunden Qualität nach Maß in Form einer traditionellen, hochwertigen und optisch ansprechenden Kehlausführung anbieten kann. Aber da ist noch ein zweites, kräftiges Argument, das den Bauherren anspricht: Eine eingebundene Biberschwanzkehle hält nicht selten länger als ein Menschenleben. Den höheren Kosten der Eindeckung steht eine unvergleichbare Lebensdauer gegenüber, und so punktet die eingebundene Biberschwanzkehle auch wirtschaftlich. Eine solche Kehlausführung ist einfach widerstandsfähiger und altersresistent. Blech oder Kunststoff können in diesem Punkt nun mal mit einer eingebundenen Biberkehle nicht mithalten.


Bei Fragen rund um das Thema „eingebundene Biberschwanzkehlen“ können Sie sich per E-Mail auch an unseren Anwendungstechniker und Produktmanager Malte Petersen wenden: malte.petersen@creaton.de.

 

(07-2009 / C 2367a)

11.11.2009